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Remagen - Geologische Wanderung 1 (Feuer)

Die gesamte Strecke der geologischen Wanderung 1 (Feuer) beträgt knapp 10 km. Unterwegs gibt es mehrere Stationen, an denen besondere geologische Formen entdeckt und die Schönheiten des Rheintals, der Eifel und des Westerwalds genossen werden können. 

ACHTUNG: Der Wanderweg ist aktuell noch nicht ausgeschildert! Bitte nutzen Sie die Outdooractive App, um sich den genauen Verlauf des Weges anzeigen zu lassen. 

Wir starten die Wanderung in Remagen an der Apollinariskirche.

Ungefähr 150m bergab auf dem Kreuzweg haben wir einen sehr schönen Ausblick auf das Rheintal.

  • Geologisches Highlight 1

Wer mit offenen Augen und mit etwas Hintergrundwissen zur Geologie durch unsere heimatliche Umgebung geht, entdeckt viele Zeugnisse der jüngeren Erdgeschichte.

Das Alter des Universums beträgt nach heutigen Forschungen 13,7 Milliarden Jahre, das der Erde 4,6 Milliarden Jahre. Die 4,6 Milliarden Jahre der Erdgeschichte werden mit griechischen Begriffen in vier Erdzeitalter (Äone) unterteilt, dem ersten 1,2 Milliarden Jahre dauernden Hadaikum (Hades = Unterwelt), dem zweiten 1,3 Milliarden Jahre andauernden Archaikum (archaisch = uralt), dem dritten ca. 2 Milliarden währenden Proterozoikum (proteros = früh) und dem jüngsten, nun 540 Millionen Jahre alten Phanerozoikum (phanero = sichtbar). Sichtbar deutet bereits daraufhin, dass wir Menschen heute nur geologische Zeugnisse aus diesem Zeitraum auf der Erdoberfläche sehen können.

Vor ungefähr 400 Millionen Jahren befand sich auf unserem Erdteil, der sich in dieser Zeit noch südlich des Äquators befand (Kontinentalverschiebung), aufgrund einer Senkung des Geländes (variskische Geosynklinale) ein flaches Meer, das variskische Meer. In diesem flachen Meer lagerten sich im Laufe der Jahrmillionen mächtige bis zu 10 km starke Sedimentschichten ab, die sich unter dem Eigengewicht mit hohem Druck zu Sedimentgestein verfestigten. Seinerzeit gehörten Korallen, Muscheln, Schnecken, Fische und erste Insekten zu den vorkommenden Lebewesen. Die mittlere globale Temperatur war mit 22°C gegenüber heute mit 12°C (Eiszeitalter Quartär) recht hoch. Vor etwa 350 Millionen Jahren begann dann die etwa 70 Millionen Jahre andauernde variskische Gebirgsbildung, bei der die Sedimentgesteine aufgefaltet wurden. Dieses Gebirge (Variskiden) wurde durch Erosion bis auf den Sockel abgetragen und es bildeten sich neue Sedimentschichten.

Die entlang des Kreuzweges anstehenden Felsformationen bestehen aus solchen Sedimentgesteinen, die hier auffällig waagerecht verlaufen. Aus der Nähe betrachtet kann man die einzelnen Sedimentschichten sehr gut erkennen. Sie sind an dieser Stelle nicht aufgefaltet, wie wir das recht häufig im Rheintal beobachten können, so auch an den sichtbaren Felsen auf der gegenüberliegenden Rheinseite zwischen Erpel und Unkel.

Wir gehen nun zurück bergauf an der Apollinariskirche vorbei, geradeaus über die Landesstraße und weiter durch die Blankertshohl relativ steil bergan. Wir nehmen den zweiten links abgehenden Weg ca. 100 m weit, wo wir eine wunderbare Sicht auf das Siebengebirge und das davor liegende Rheintal haben.

  • Geologisches Highlight 2

Wie schon ausgeführt, wurde das variskische Gebirge im Laufe der Jahrmillionen durch Erosion (exogene Kräfte) bis auf den Sockel eingeebnet. Vor etwa 45 Millionen Jahren trieben die eurasische und afrikanische Kontinentalplatte aufeinander zu. Es begann die alpidische Faltung und mit ihr die Auffaltung der Mittelgebirge (endogene Kräfte). So entstand auch das Rheinische Schiefergebirge.

Das Siebengebirge geht auf vulkanische Aktivitäten vor rund 26 Millionen Jahren zurück. Es besteht aus mehr als 40 Bergen, deren höchste die sieben Berge von Westen beginnend mit dem Petersberg (331 m), dem Drachenfels (320 m), dem Nonnenstromberg (335 m), der Wolkenburg (324 m), dem Oelberg (460 m), der Löwenburg (455 m) und dem Lohrberg (435 m) genau vor uns liegen. Der jüngste Vulkan ist der Petersberg, der vor etwa 5 Millionen Jahren entstand.

Wir gehen zurück auf den Hohlweg und weiter bergan bis zu einem asphaltierten Wirtschaftsweg. Etwa 20 m linker Hand haben wir in östlicher Richtung einen hervorragenden Blick auf die Höhen des Westerwalds.

  • Geologisches Highlight 3

Parallel zur Baumreihe entlang des gerade begangenen Wirtschaftswegs sehen wir in 8 km Entfernung die 440 m hohe Basaltkuppe des Asbergs. Der Asberg gehört als Einzelvulkan zu den in der Periode des Tertiärs vor gut 26 Millionen Jahren entstandenen Vulkankette im Westerwald. Rechts daneben sieht man in 3 km Entfernung im Vordergrund das Plateau der Erpeler Ley. Dieser Vulkan wurde vom Urrhein abgehobelt. Auf seiner Höhe verläuft das Trogtal des Urrheins. Es reicht gut 3 km bis zu den dahinter aufsteigenden Westerwaldhöhen, die aus einer aus den Vulkanen ausgeflossenen Basaltdecke bestehen. Weiter rechts liegen am Hang drei kleine Ortslagen und daneben am Horizont auf 353 m Höhe die Burg Alt Rennenberg. Wiederum rechts daneben liegt die weitgehend abgebaute Basaltkuppe des Hummelsbergs. Es folgt weiter rechts versetzt der Sender Ginsterhahn und noch etwas weiter die gut erkennbaren Gebäude des Linzer Krankenhauses.

Nun folgen wir dem asphaltierten Wirtschaftsweg in westlicher Richtung. Am Straußengehege vorbei überqueren wir nach ein paar Minuten die Kreisstraße. Weiter geht es auf Waldwegen bis wir die freie Feldlage erreichen. Wir biegen rechts ab und sehen in 100 m Entfernung die nächste Wegekreuzung und eine am Waldrand stehende Schutzhütte. Die Schutzhütte bietet sich zum kurzen Verschnaufen an und natürlich zum Verzehr der Rucksackverpflegung. Nun folgt der recht steile Aufstieg von 70 Höhenmetern zum Scheidskopf. Aus der Schutzhütte herauskommend gehen wir links bis zu der vorgenannten Kreuzung zurück und biegen links ab in den breiten, befestigten Waldweg. Schon nach 30 m biegen wir wieder links ab in einen kleinen, laubbedeckten Waldweg, dem wir nun steil bergan auch über einen kreuzenden Waldweg hinweg folgen. Nach etwa 200 m führt ein von rechts kommender auf einem aufgeschütteten Damm liegender Lorenweg an den Steinbruchrand. Diesen Weg überqueren wir und knapp 20m weiter nutzen wir den links abgehenden steilen Grenzgraben (Grenze zwischen Remagen und Bad Neuenahr-Ahrweiler), der genau zur Kuppe des Scheidskopfes führt. Hier ist besondere Vorsicht geboten, da viele lockere Basaltsteine Stolperfallen und steile Abbruchkanten Gefährdungen darstellen. Der Steinbruch befindet sich im Privatbesitz. Nach etwa 100 m endet der Grenzgraben an der Abbruchkante des Basaltbruchs kurz vor der Kuppe des Scheidskopfes. Rechts abbiegend führen die letzten Höhenmeter zwischen einer Stacheldrahtbegrenzung hindurch bis zur höchsten Stelle (280 m). Dort besteht ein herrlicher Blick durch die Büsche hindurch auf die Eifellandschaft.

  • Geologisches Highlight 4

Ziemlich genau in südlicher Richtung sehen wir die herausragenden Vulkanberge des Vulkanfelds Osteifel rund um den Laacher See. Orientiert man sich am 20 km entfernten Sender Gänsehals (575 m), sieht man östlich daneben die etwa gleichweit entfernten Vulkane Laacher Kopf (443 m), Veitskopf (428 m), Krufter Ofen (463 m), Heidekopf (428 m) und den östlichsten Laacher See - Vulkan über 400 m, den Hummerich (425 m). Der Laacher See - Vulkanismus gehört im Rheinischen Schiefergebirge gemeinsam mit dem Vulkanfeld Westeifel im Bereich von Gerolstein zum jüngsten vor etwa 600.000 Jahren beginnenden Vulkanismus in der Periode des Quartär mit insgesamt zirka 350 Ausbruchstellen.

Nur 14 km entfernt sehen wir westlich neben dem Gänsehals die in 470 m Höhe stehende und deutlich über den Horizont hinausragende Burg Olbrück. Rechts daneben im Vordergrund die knapp 3 km entfernte und 272 m hohe Landskrone, im Hintergrund in 18 km Entfernung der 668 m hohe Sender Schöneberg und wieder im Vordergrund in knapp 6 km Entfernung der 340 m hohe Neuenahrer Berg, allesamt Vulkanberge aus der Periode des Tertiärs. Genau über dem Neuenahrer Berg kann man weit im Hintergrund in 24 km Entfernung die 746 m hohe Hohe Acht erahnen. In westlicher Richtung sieht man die Autobahn A61 zwischen Ringen und Beller.

Der Scheidskopf selber gehört ebenso zu den tertiären Vulkanen. Die Magma erreichte hier nicht die Erdoberfläche. Sie wölbte die Erde nur auf. Die langsam abkühlenden Magmamassen formten sich zu säulenförmigem Basalt. Die fünf- und sechseckigen Säulen sind im Steinbruch des Scheidskopfs sehr gut erkennbar.

Wir verlassen nun den Scheidskopf und gehen zurück bergab, folgen dem Lorenweg auf dem Bahndamm gemütlich langsam bergab bis zum Dammfuß. Weiter geht’s entlang und quer durch Feldlagen zur Landstraße L79. Immer bergab gehen wir auf einem befestigten Waldweg bis zum Schloss Calmuth und dann auf dem bekannten Rheinhöhenweg zurück bis zur Statue des Franziskus hoch über der Apollinariskirche. Hier erreichen wir den Ausgangspunkt unserer Wanderung

Und in Remagen angekommen können wir müde vom Wandern und zur Verarbeitung der vielen Eindrücke direkt unterhalb der Apollinariskirche die Casa Antonio oder eine der vielen Einkehrmöglichkeiten in der Stadt oder am Rhein aufsuchen.

  • 10,0 km
  • 4:00 h
  • 275 m
  • 273 m