Tour
Remagen - Geologische Wanderung 2 (Wasser)
Die gesamte Strecke der geologischen Wanderung 2 (Wasser) beträgt knapp 11 km. Unterwegs gibt es mehrere Stationen, an denen besondere geologische Formen entdeckt und die Schönheiten des Rheintals, der Eifel und des Westerwalds genossen werden können.
ACHTUNG: Der Wanderweg ist aktuell noch nicht ausgeschildert! Bitte nutzen Sie die Outdooractive App, um sich den genauen Verlauf des Weges anzeigen zu lassen.
Wir starten die Wanderung in Remagen an der Personenfähre nach Erpel.
Der natürliche Lebensraum des Menschen ist die Erde. Ihn zu betrachten und zu erkunden ist eine höchst spannende und interessante Angelegenheit.
Wer mit offenen Augen und mit etwas Hintergrundwissen zur Geologie durch unsere heimatliche Umgebung geht, entdeckt viele Zeugnisse der jüngeren Erdgeschichte. Mit meiner Beschreibung der zweiten Remagener Geologiewanderung möchte ich dazu beitragen, dass sich Ihnen, liebe Wanderinnen und liebe Wanderer, diese vielfältigen geologischen Zeugnisse und Schönheiten der Natur erschließen.
Das Alter des Universums beträgt nach heutigen Forschungen 13,7 Milliarden Jahre, das der Erde 4,6 Milliarden Jahre. Die 4,6 Milliarden Jahre der Erdgeschichte werden mit griechischen Begriffen in vier Erdzeitalter (Äone) unterteilt, dem ersten 1,2 Milliarden Jahre dauernden Hadaikum (Hades = Unterwelt), dem zweiten 1,3 Milliarden Jahre andauernden Archaikum (archaisch = uralt), dem dritten ca. 2 Milliarden währenden Proterozoikum (proteros = früh) und dem jüngsten, nun 540 Millionen Jahre alten Phanerozoikum (phanero = sichtbar). Sichtbar deutet bereits daraufhin, dass wir Menschen heute nur geologische Zeugnisse aus diesem Zeitraum auf der Erdoberfläche sehen können.
Wenn wir heute rund um Remagen die Landschaftsformen des Rheintals betrachten, so sehen wir Formen, die im Wesentlichen in den jüngsten 2,6 Millionen Jahren, dem derzeitigen Eiszeitalter Quartär entstanden sind.
Von der Fähre aus gehen wir rheinaufwärts bis zur Brücke von Remagen. Auf der Rampe entgehen wir dem Fahrradverkehr und genießen den Blick auf die Erpeler Ley.
- Geologisches Highlight I
Vor etwa 45 Millionen Jahren trieben die eurasische und die afrikanische Kontinentalplatte aufeinander zu. Es begann die alpidische Faltung und mit ihr die Auffaltung der Mittelgebirge (endogene Kräfte). Eine Folge der Auffaltung war die Bildung von Rissen in der äußeren Erdkruste, durch die geschmolzene Gesteine (Mineralschmelzen = Magma, Lava) an die Erdoberfläche gelangten.
Die Erpeler Ley gehört zu den tertiären Vulkanen An ihrem Steilabbruch zum Rhein sehen wir den Vulkanschlot, in dem die Lava knapp unter der Erdoberfläche langsam abkühlte und schrumpfte. Klüfte in einem Wabenmuster rissen auf. Es bildeten sich die Basaltsäulen. Einerseits kühlte die Lava von oben ab, andererseits aber auch von der Seite des aufgewölbten Vulkankegels. Die Säulen wuchsen somit von oben und von der Seite aus. Zudem bildeten sich in der Nähe der Oberfläche dünnere Säulen als in tieferen Lagen. Diese Diskontinuitäten sieht man an der Erpeler Ley. Senkrecht stehende langsam erkaltete dicke Säulen werden oberhalb von dünneren schräg stehenden Säulen überlagert. Fürwahr ein sehr eindrucksvolles Zeugnis des Vulkanismus im Rheinischen Schiefergebirge.
Wir verlassen den Leinpfad und gehen auf Wirtschaftswegen am Stadion und dem Schwimmbad vorbei in die freie Feldlage der Goldenen Meile bis zum eingezäunten Wasserschutzgebiet
- Geologisches Highlight II
Vor etwa 1,7 Millionen Jahren begann die Hebung der Rheinischen Masse bis heute um etwa 250 m, davon alleine 190 m in den letzten 700.000 Jahren. Der Rhein konnte sich aufgrund einer tiefreichenden Spalte im Erdinneren gerade an dieser Stelle eingraben. Die Terrassen im Rheintal sind gleichsam eine Folge der Erosion und der vielen kleineren Eiszeiten. Bei Tauwetter flossen große Wassermengen und mit ihnen Kies und Schotter, die einerseits das anstehende Gestein abhobelten und sich andererseits als Terrassen ablagerten. Die sogenannte Hauptterrasse, auf der der Urrhein floss, liegt hier rund 150 m über dem heutigen Rhein. Gerade in Remagen sind die unter der Hauptterrasse liegenden Mittelterrassen, Nie-derterrassen und Flussterrassen, auch wegen des an dieser Stelle breiteren Rheintals, recht gut ausgebildet. Die nur bei Hochwasser überschwemmtem Bereiche gehören zur Inselterrasse. Wir stehen hier auf der unteren Niederterrasse. Neben uns, die Senke, gehört zum Hochflutbett des Rheins, der Inselterrasse und die dahinter liegende leichte Anhöhe zur oberen Niederterrasse. Die Apollinariskirche liegt auf der Mittelterrasse.
Weiter geht es geradeaus nach Kripp zur Rheinfähre, mit der wir nach Linz übersetzen. An der Burg Linz vorbei kommen wir auf den Rheinhöhenweg, dem wir steil bergan bis zu zwei links des Weges stehenden Ruhebänken folgen.
- Geologisches Highlight III
Im Verlaufe der Erdgeschichte traten periodisch bis zu 300 Millionen Jahre währende Eiszeitalter auf. Wir befinden uns heute seit 2,6 Millionen Jahren, der Periode Quartär, in einem Eiszeitalter. Innerhalb des Eiszeitalters gibt es wiederkehrende 10.000 bis 100.000 Jahre andauernde Klimaschwankungen mit Warm- und Kaltzeiten.
Verbunden mit den Klimaschwankungen gab es Zeiten mit sehr geringer Vegetation, in denen die Winderosion zu starken Lockermaterialverwehungen führte. Vor und hinter den topographischen Erhebungen lagerten sich hohe Lößvorkommen ab, so auch an den Hängen des Rheintals. Wir befinden uns hier auf einer solchen Lößablagerung.
Kurz hinter der Burg Ockenfels erreichen wir eine große Wiese, von der aus wir einen schönen Blick über das Rheintal und die Goldene Meile haben. So ganz nebenbei ein passender Ort zur Einnahme der Rucksackverpflegung.
- Geologisches Highlight IV
Ziemlich genau in südlicher Richtung sehen wir die herausragenden Vulkanberge des Vulkanfelds Osteifel rund um den Laacher See. Orientiert man sich am 20 km entfernten Sender Gänsehals (575 m), sieht man östlich daneben die etwa gleichweit entfernten Vulkane Laacher Kopf (443 m), Veitskopf (428 m), Krufter Ofen (463 m), Heidekopf (428 m) und den östlichsten Laacher See - Vulkan über 400 m, den Hummerich (425 m). Der Laacher See - Vulkanismus gehört im Rheinischen Schiefergebirge gemeinsam mit dem Vulkanfeld Westeifel.
Unter der Eifel befindet sich in 60 km bis 120 km Tiefe eine große aus tieferen Schichten hochsteigende Magmakammer (Eifelplume), die im Laacher See - Gebiet regelmäßig zu messbaren seismischen Aktivitäten (Mikro-Erdbeben) führt.
Nun folgen wir dem Rheinsteig weiter bis zur Erpeler Ley. Am Zeppelindenkmal haben wir einen hervorragenden Ausblick auf den Rheinlauf, die Goldene Meile und die Eifelberge.
- Geologisches Highlight V
Wir stehen hier auf dem Plateau der Erpeler Ley, ein Plateau, das der Urrhein vollkommen eben abgehobelt hat. Auch auf der gegenüberliegenden Rheinseite können wir das breite Urrheintal recht gut bis zu den ansteigenden Höhen der Eifel verfolgen.
Der Vulkanismus im Tertiär begann vor etwa 45 Millionen Jahren. Die vor uns sichtbaren Eifelhöhen gehören zu den tertiären Vulkanen. Nur 14 km entfernt sehen wir westlich neben dem Sender Gänsehals die in 470 m Höhe stehende und deutlich über den Horizont hinausragende Burg Olbrück. Rechts daneben im Vordergrund die knapp 3 km entfernte und 272 m hohe Landskrone, im Hintergrund in 18 km Entfernung der 668 m hohe Sender Schöneberg und wieder im Vordergrund in knapp 6 km Entfernung der 340 m hohe Neuenahrer Berg. Allesamt Vulkanberge aus der Periode des Tertiärs.
Weiter entlang des Plateaurandes gehen wir bis zum Holzkreuz. Hier fällt der Blick auf den vor uns liegenden Rheinstrom und die Stadt Remagen. Stromabwärts können wir den Rhein bis zum Siebengebirge verfolgen. Der Abstieg nach Erpel führt über steile Wege bis zum Ortsrand. Dann über den Erpeler Marktplatz zur Personenfähre nach Remagen.
In Remagen angekommen können wir müde vom Wandern und zur Verarbeitung der vielen Eindrücke eine der vielen Einkehrmöglichkeiten in der Stadt oder gleich am Rhein aufsuchen.
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Quelle
Mittelrhein
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Urheber:
Tourist-Information Remagen